Experte für Mediensucht


Stand der Forschung

Mediensucht, Onlinesucht, Smartphonesucht oder auch Computerspielsucht sind die aktuellen Schlagworte wenn es um die intensive Nutzung von Medien geht.
Die Medienberichte über Menschen, die sich in der virtuellen Welt verlieren oder durch die Nutzung von Mobilgeräten zu physischem oder psychischem Schaden kommen häufen sich. Und so steigt die Unsicherheit bei Eltern und pädagogischen Fachkräften sowie Arbeitgebern und Vorgesetzten, ab wann der Konsum von Medien problematisch ist.

Auch die Fachwelt ist sich uneinig darüber, ob es eine Mediensucht gibt. Die eine Forschungsrichtung ist überzeugt, dass häufige Mediennutzung zwangsläufig zu negativen Konsequenzen führt. Die andere betrachtet die Thematik etwas differenzierter.

Fakt ist allerdings, dass in Beratungsstellen und stationären Einrichtungen Menschen ankommen, die ihre reale Identität verloren haben und sich nur noch virtuell identifizieren. Die Ursachen dafür sind so unterschiedlich wie bei anderen Süchten auch (vgl. Suchtdreieck im Bereich Suchtprävention). Und dennoch gibt es Gemeinsamkeiten, was das Nutzungsverhalten anbelangt.

Seit 2013 gibt es im diagnostischen Handbuch „DSM“ in seiner aktuell fünften Auflage die Forschungsdiagnose „Internet gaming disorder“.
Danach müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr konstant erfüllt sein, um als abhängig eingestuft zu werden.


  • Gedankliche Eingenommenheit
  • Entzugssymptomatik
  • Toleranzentwicklungn
  • Erfolglose Abstinenzversuche / Kontrollverlust
  • Verlust des Interessesan früheren Hobbys und Beschäftigungen aufgrund und mit Ausnahme der internetbezogenen Computerspiele.
  • Fortführung exzessiver Nutzungvon internetbezogenen Computerspielentrotz Kenntnis eigener psychosozialer Probleme
  • Hat Familienangehörige, Therapeuten oder andere über das tatsächliche Ausmaß des Internetcomputerspiels belogen
  • Emotionsregulative Aspekte
  • Hat eine wichtige Beziehung, Arbeits- oder Ausbildungsstelle aufgrund der Teilnahme an Internetspielen gefährdet

Nicht jede intensive Nutzung des Computers oder des Smartphones ist also automatisch ein Grund zur Besorgnis.
Wird der Konsum allerdings problematisch, sind die Konsequenzen für den Betroffenen und die Angehörigen – wie bei anderen Suchtformen auch – gravierend. Nach der 2017 veröffentlichten BLIKK Studie kann ein allzu früher intensiver Medienkonsum für die Entwicklung für Kinder und Jugendliche nachteilig sein. Ebenso kann es zu Entwicklungsstörungen von Kindern kommen, wenn die Eltern die Aufmerksamkeit eher den digitalen Medien als den eigenen Kindern widmen. Mehr Infos zur Studie unter http://www.drogenbeauftragte.de/presse/pressekontakt-und-mitteilungen/2017/2017-2-quartal/ergebnisse-der-blikk-studie-2017-vorgestellt.html

 


Mediensucht am Arbeitsplatz

Zunehmend gibt es auch einen Bedarf bei Arbeitgebern, die private Smartphonenutzung am Arbeitsplatz gut zu regeln. Aspekte der Arbeitssicherheit spielen dabei eine ebenso große Rolle wie der Arbeitseffizienz und der Gesundheit. Smartphonenutzung wird heutzutage als Grundrecht wahrgenommen in allen möglichen und unmöglichen Situationen und das Gefühl dafür, wann es unangemessen ist, hemmungslos die Aufmerksamkeit dem digitalen Gerät zuzuwenden, anstatt den anwesenden Personen scheint bei einigen völlig verloren zu gehen. Die Unfallquoten, bei denen ein Smartphone ursächlich beteiligt war, sprechen eine eindeutige Sprache.

Unrühmlichstes Beispiel der jüngeren Geschichte ist das Zugunglück von Bad Aibling, das ein Fahrdienstleiter zu verantworten hat, der am Arbeitsplatz durch ein Smartphonespiel abgelenkt war. Und ich bin mir sicher, dass dies nicht das letzte schreckliche Ereignis war, das auf private Smartphonenutzung am Arbeitsplatz zurückgehen wird.

Digital Detox ist eine Welle, die ausgerechnet aus silicon valley kommt, dem Zentrum des digitalen Fortschritts. Damit ist die zeitweise „Entgiftung“ also der bewusste Verzicht auf digitale Mediengeräte gemeint um wieder Bezug zur realen Umgebung herstellen zu können. Digital Balance geht in eine ähnliche Richtung, auch hier geht es um eine reflektierte Mediennutzung, die sich im Gleichgewicht mit dem realen Leben befindet. Die zunehmende Vermischung von realer und virtueller Welt macht genau diese Balance zunehmend schwerer. Virtuelle Realität ist auf dem Vormarsch und lockt mit eindrucksvollen und teilweise auch beängstigenden Emotionen. Augmented Reality ist die nächste Stufe, die dann eine völlige Vermischung von Realität und virtuellen Einflüssen ermöglicht. Die Folgen davon sind aktuell noch gar nicht abzusehen.

Wir brauchen eine neue Kultur der bewussten Nutzung von Medien. Für viele gehört dazu möglicherweise auch die zeitweise Nicht-Nutzung. Die Bewusstheit und die Kontrolle, wann Mediennutzung gut und sinnvoll und wann sie unangemessen, respektlos oder gar gefährlich ist sollte Ziel dieser neuen Kultur sein.


Referenzen

Seminare, Workshops und Vorträge, die ich seit nunmehr zehn Jahren in unterschiedlichsten Settings (darunter auch große Tagungen wie die Jahrestagung der Bundesdrogenbeauftragten und das jährliche Symposium des Fachverbands Medienabhängigkeit) anbiete, können einen ersten Impuls zu erwähnten bewussten Mediennutzung setzen.

Bereits seit Gründung des Fachverbands Medienabhängigkeit bin ich aktives Mitglied und unterstütze die Bemühungen, dass Mediensucht als eine eigenständige Krankheit anerkannt wird. In der Arbeitsgruppe Prävention habe ich am Methodenhandbuch let´s play mitgewirkt, aktuell arbeiten wir an einem Thesenpapier zur Prävention von Mediensucht.

Der bayerische Arbeitskreis „Computer und Sucht“ wurde 2010 von einer Handvoll Fachkräfte ins Leben gerufen. Von Beginn an hatte ich die Co-Leitung inne, seit 2016 leite ich den AK mit einem Kollegen zusammen. Ziel des Zusammenschlusses von Fachkräften aus Prävention, Beratung und Behandlung ist der fachliche Austausch, die Vernetzung sowie Berichte über aktuelle Entwicklungen im Bereich Mediensucht. Infos und Kontakt zum bayerischen AK Mediensucht: http://www.fv-medienabhaengigkeit.de/bayern.html

Seit 2015 leite ich das Projekt „webC@RE“ der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS). Zentrales Element des Projekts sind die virtuellen Selbsthilfegruppen für Menschen mit problematischer Mediennutzung und deren Angehörige. Mehr Infos zum Projekt unter www.hls-webcare.org

Die Landesarbeitsstelle Bayern der Aktion Jugendschutz hat im Jahr 2012 den „Surfguide“ entwickelt. Auch hier war ich maßgeblich als Autor beteiligt und durfte die Neuauflage 2016 inhaltlich mit prägen. Infos und Bestellung des Surfguide: http://www.bayern.jugendschutz.de/ajbayern/Aktuelles1.aspx?ID=6549

Weitere Informationen zum Angebot sowie die Kontaktdaten finden Sie unter www.suchtpraevention-miehle.de

Betriebliche Suchtprävention Miehle GmbH | Geschäftsführender Gesellschafter - Patrick Durner

Kriegshaberstr. 39

86156 Augsburg

Tel. 0821 4443066

Fax 0821 4443067